GesetzPlanspiel zum Gesetzgebungsverfahren (Eingangsphase)

Am 14.12.2015 fand für uns kein gewöhnlicher Unterricht statt. Wir Kollegiaten durften an diesem Tag unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Landtages und dem Centrum für angewandte Politikforschung, im Rahmen eines Planspiels einmal selbst die Geschicke unseres Landes in die Hand nehmen. Jedem von uns wurde das Profil eines Landtagsabgeordneten als konkrete Rolle zugeteilt. Im Anschluss mussten wir uns in Fraktionen zusammenschließen, um die erforderlichen Ausschüsse für ein Gesetzgebungsverfahren zu bilden. An einem konkreten Gesetzesentwurf bezüglich der Videoüberwachung von Kriminalitätsbrennpunkten in Bayerns größten Städten konnten wir unsere rhetorischen Fähigkeiten bei einer schwierigen Pro- und Contra Diskussion über die weitreichenden Konsequenzen dieses Gesetzes erproben und verbessern. Einige Kollegiaten lieferten sich in ihren zugeteilten Rollen leidenschaftliche Wortgefechte mit ihren politischen Gegenspielern! Nachdem alle Fraktionen mit teilweise sehr emotionalen Reden ihren Standpunkt vor dem Plenum dargelegt hatten, wurde unser gemeinsam erarbeiteter Gesetzesentwurf mit einer knappen Mehrheit verabschiedet. Wir Kollegiaten konnten uns mit diesem Projekt ein eher trockenes Thema praktisch erarbeiten und eine außerordentliche Verständnistiefe für politische Prozesse erlangen.

Im Anschluss an das Planspiel stellten sich drei Landtagsabgeordnete, Linus Förster von der SPD, Leopold Herz von den Freien Wählern und Christine Kamm von Bündnis90/Die Grünen unseren Fragen. Damit gelang der Brückenschlag zu „denen da oben“ und es entstand ein Bewusstsein für die Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns. Wenn wir unseren Beitrag nicht leisten und auf die Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen verzichten, verspielen wir die Möglichkeit, Missständen aktiv entgegenwirken zu können!politiker

Der Idee, dieses Planspiel an unser Kolleg zu holen, ging eine Vortragsreihe zum Thema „Lernen lernen“ voraus. Dort sind unter anderem die verschiedenen Lerntypen erklärt worden und es wurde darauf hingewiesen, dass gerade hier am Kolleg, auf dem zweiten Bildungsweg, der sog. kinästhetische Lerntyp überwiegt, weil er mit den konventionellen audiovisuellen Lernmethoden in seiner bisherigen Bildungskarriere weniger erfolgreich war als die anderen Lerntypen. Deshalb war es uns ein großes Anliegen, praktische Erfahrungsräume in den Lernbetrieb einzubringen. Über freiwillige Exkursion im Rahmen der Artikelrecherche für unsere Schülerzeitung „kultURteile“ ist dies in der Vergangenheit bereits gelungen und war für alle Teilnehmer eine große Bereicherung. Obwohl unser Schwerpunkt auf kulturellen Veranstaltungen wie Theater- und Ausstellungsbesuchen lag, konnten wir am 14.10.2015 nach einer Einladung durch den CSU-Landtagsabgeordneten Herrn Hintersberger das Maximilianeum und die Staatskanzlei besichtigen. Im Rahmen dieser Exkursion wurden die nötigen Kontakte geknüpft, um das Planspiel an unser Kolleg zu holen. Als nächstes Projekt steht in Zusammenarbeit mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrike Bahr eine Berlinfahrt an. Durch die Mitgestaltung unseres Schulaltages haben wir die Möglichkeit, bildungspolitisch aktiv zu sein. Es liegt an uns Kollegiaten, dafür Verantwortung zu übernehmen, dass die Schule ein Ort ist, an dem wir uns mit Freude gemeinsam neue Erkenntnisse erarbeiten und uns weiter Entwickeln können.

Lars Evers