„Demokratie ist keine Gabe. Demokratie ist eine Aufgabe.“
Dieses Zitat könnte man als Leitmotiv des Tages der Demokratie am Bayernkolleg bezeichnen, der am 18. November stattfand. Demokratie muss erschaffen und erarbeitet werden, sie entsteht dann, wenn aus vielen Ichs ein Wir wird – ein wichtiger Gedanke, der ganz am Anfang des Tages von Ben Pauluschke, dem Moderator der Veranstaltung, geäußert wurde, und dem man nur zustimmen kann.

Von rechts nach links: Moderator Ben Pauluschke (ALP), Prof. Dr. Norbert Lammert (Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, Bundestagspräsident a.D.), Prof. Dr. Wilhelm Schmid (Philosoph).
Gleich danach folgte die Rede von Rupert Grübl, dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die er mit einem berühmten Zitat von Thomas Mann eröffnete: „Damit die Demokratie triumphiere, muss sie kämpfen, möge sie auch lange des Kampfes entwöhnt gewesen sein.“ Demokratie ist also alles Andere, als eine Selbstverständlichkeit, umso wichtiger wird auch zunehmend in diesem Kontext die Rolle der politischen Bildung, die in Deutschland dank der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg begann – dies unterstrich Rupert Grübl ausdrücklich in seiner Rede. Und das Projekt „Tag der Demokratie“ am Bayernkolleg kann selbstverständlich als Beispiel für politische Bildung an Schulen gesehen werden, denn was kann für die Jugendlichen besser sein, als eine Gelegenheit, mit den Experten und Politikern ins Gespräch zu kommen, die sich nicht nur mit dem Thema befassen, sondern auch vieles mit ihren eigenen Augen gesehen haben? Zu diesen Politikern gehört natürlich auch Dr. Norbert Lammert, der ehemalige Bundestagspräsident, der in seinem Vortrag auf äußerst wichtige Punkte bezüglich der Demokratie hingewiesen hat. Nach 75 Jahren der deutschen Verfassung und 30 Jahren der Wiedervereinigung, trotz der euphorischen Erwartungen, sei der Siegeszug der Demokratie nicht geschehen. Die Zahl der Demokratien sei kleiner geworden. Der Begriff der Demokratie hat sich durchgesetzt, problematisch ist aber, dass es zu keinem einheitlichen Verständnis dieses Begriffes gekommen ist. Und dies macht uns noch einmal darauf aufmerksam, dass die Demokratie kein Geschenk und kein Normalzustand ist. Umgekehrt: Demokratie ist gerade dann gefährdet, wenn die Menschen beginnen, sie für selbstverständlich zu halten – auf diesen Gedanken von Barack Obama hat sich Dr. Norbert Lammert in seinem Vortrag berufen.

Es entsteht natürlich gleich die Frage, was wir alle tun können, um die Demokratie zu bewahren. Und das war nämlich eine der Fragen, um die sich das Gespräch von Dr. Norbert Lammert und Prof. Dr. Wilhelm Schmid drehte, dem Vortrag folgend. Im Gespräch merkte man gleich, wie zwei Perspektiven, eine philosophisch-ethische und eine politische, verschiedene Herangehensweisen an diese Thematik in den Vordergrund rücken. Prof. Dr. Schmid hob dabei das Menschliche hervor und behauptete, Demokratie brauche in erster Linie Menschen, die einander zuhören würden, die sich nicht egal seien: Die Menschen müssten also Interesse aneinander zeigen. Dr. Norbert Lammert betonte die Wichtigkeit der Verbindung von Bürgern und Politikern, damit Meinungsbildung und Entscheidungsfindung besser funktionieren können.
Nach dem Gespräch konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen an die Teilnehmer der Diskussion stellen, einzelne Aspekte und Gedankenimpulse wurden dann in den Reflexionsrunden danach von der Schülerschaft und den Lehrkräften aufgegriffen.
Julia Pasko